Liebe Leserin, lieber Leser,
am 5. August dieses Jahres feierte der Plöttner Verlag sein fünfjähriges Bestehen. Etwa ein Jahr später, im Jahr 2005, startete der Verlag mit seinem Kulturmagazin der „Nullnummer“ von Kunststoff durch. In diesen letzten vier Jahren ist unser Magazin gewachsen, hat Veränderungen durchlaufen, Widerständen getrotzt und sogar das Internet erobert. Doch trotz aller Wandel hat sich unsere Zusammenstellung der Themenbereiche bewährt, und es war nicht nötig, praktischen Verzicht zu üben.
Das Heft 17, das Sie gerade in Händen halten, erscheint zur Zeit des
20. Jahrestages der Friedlichen Revolution. Kaum ein Medium kann sich dieses Themas zu dieser Zeit erwehren, besonders in Leipzig nicht. Die thematische Inflation überschwemmt den Buchmarkt, und das Fernsehen strahlt Bilder aus, die durch ständiges Wiederholen nur verblassen. Werden Sie nicht müde bei den vielen Feierlichkleiten, im nächsten Jahr sieht schon wieder alles anders aus.
Doch wir haben uns, abseits jeglicher politischer Plattitüden, zum Ziel gesetzt, sowohl die persönliche Ebene der Ereignisse von 1989 als auch den Einfluss der politischen Veränderungen auf das Kulturschaffen in Mitteldeutschland auszuleuchten. Denn die Bereiche Politik und Kultur existieren nicht unabhängig voneinander, die Politik findet immer auch Eingang in künstlerisches Schaffen. So versammeln sich in dieser Ausgabe die Wende-Erinnerungen und Wende-Verarbeitungen von Regisseuren und Literaten, Künstlern und Historikern, und nicht zuletzt von den Kunststoff-Redakteuren, um den doch eher abstrakten Begriff der Friedlichen Revolution mit Leben zu füllen. Auch wird den mit diesem Themenblock eng verknüpften Fragestellungen und Infragestellungen nachgegangen, etwa wie die Kunst des geteilten Deutschlands heute wahrgenommen wird und wie sich die Paradigmen für Kunstschaffende aus Ost und West verändert haben. Wenn ich auf die letzten 20 Jahre zurückschaue, dann bin ich immer noch berauscht von der Fülle an Erlebnissen, wie ich Sie während meiner Studentenzeit und den ersten Tagen des Mauerfalls erlebt habe.
Auch in diesem Jahr, kurz vor der Frankfurter Buchmesse, veranstaltet unser Verlag ein großes Lesefest mit seinen Autoren aus dem Herbstprogramm. Ich lade Sie herzlich am 10. Oktober ab 19 Uhr ins Gohliser Schlösschen ein. Mehr erfahren Sie auf unserer Homepage.
Einen farbenfrohen Herbst wünscht Ihnen
Ihr Jonas Plöttner