KUNSTSTOFF Heft 4

KUNSTSTOFF Heft 4

Liebe Leserin, lieber Leser,

mit dem Erscheinen unseres neuen Hefts beginnt die Vorweihnachtszeit, in der oft genug die Tage an uns vorbeirauschen, obwohl dies die Zeit der Besinnung und Einkehr sein sollte. Ich lade Sie ein, sich ein wenig Zeit zu nehmen, in unser Heft einzutauchen und sich von der Vielfalt unserer Themen einfangen zu lassen. Es erwartet Sie ein spannendes, breit gefächertes und mittlerweile auf 96 Seiten angewachsenes KUNSTSTOFF-Heft.
Unser Literaturredakteur André Hille hat in dieser Ausgabe besonderes Augenmerk auf die interkulturelle Literatur gelegt, ein Genre, das zu den lebendigsten und gegenwärtigsten in der deutschen Literatur gehört. Die Leipziger Autoren Saša Stanišić und Thomas Podhostnik erzählen von den Kuriositäten und Missverständnissen der Integration in ihrer Kindheit und fragen: Ist in Deutschland der Winter in der Sprache? Der international renommierte Schriftsteller und Weltenbummler Ilija Trojanow sieht die deutsche Sprache hingegen als Integrationsmittel Nummer eins, denn sie nehme mit Leichtigkeit fremde Bilder und Einflüsse auf. Clemens Meyer, dessen Buch „Als wir träumten“ vor knapp einem Jahr erschien, zieht im Gespräch mit Michael Hametner Bilanz über seinen rasanten Aufstieg. Er erzählt von Freunden, die auflegen, wenn er anruft, vom Glauben an sich selbst und vom Kick, mal eben 600 Euro auf der Rennbahn zu lassen.
Im Theaterteil liegt der Fokus auf Besprechungen und Ankündigungen aktueller Produktionen aus dem mitteldeutschen Raum. Das Gerhart-Hauptmann-Theater in Zittau und das Zwickauer Theater in der Mühle widmen jeweils ein Stück Arthur Schnitzler, einem Meister des psychologischen Schreibens. Wir werfen einen Blick zurück auf die beiden wichtigsten Festivals der letzten Saison, die 15.Werkstatttage der Kinder- und Jugendtheater und die euro-scene Leipzig. Bernard Faivre d`Arcier, der Leiter des Theaterfestivals in Avignon/Frankreich, besuchte zu diesem Anlass Leipzig und sprach mit unserer Theaterredakteurin Lykke Langer über das Potential kleinerer Festivals.
Bevor Sie die Umschlagseite des Heftes aufgeschlagen haben und zum Editorial gelangten, sind Sie auf einen jungen Künstler gestoßen, dessen Bilder vor Energie zu bersten scheinen. Johannes Tiepelmann nannte sich früher „Bookam“ und war in Leipzigs Straßen als Sprayer unterwegs. Dieser Ausgabe von KUNSTSTOFF gibt er ein prägendes Gesicht. Weitere neue Werke von ihm und ein Portrait finden Sie im Kunstteil.
Er ist die Sonne, die über der Leipziger Baumwollspinnerei strahlt, sagte einmal ein Künstler. Ohne Neo Rauch wäre die Leipziger Schule in dieser Form nicht denkbar. Die Kunsthistorikerin Dr. Celia Isabel Gaissert ergründet anlässlich der Ausstellung „Der Zeitraum“ in einem Essay das Geheimnis seiner Bilder – sofern dies überhaupt möglich ist. Doch auch stille Maler abseits des Mainstreams finden in unserem Heft Platz, so werden Gerald Müller-Simon, Solomon Wija oder Heinz-Eberhard Strüning in Portraits vorgestellt.

An dieser Stelle wünsche ich Ihnen eine besinnliche Vorweihnachtszeit, einen guten Start für 2007 und viele und schöne Überraschungen beim Lesen von KUNSTSTOFF.
Haben Sie eine schöne Zeit.

Ihr Jonas Plöttner

  • Art.Nr.: 1861-1397
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