Kaum ein zweiter deutscher Bildhauer in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg dürfte mit einem annähernd umfangreichen Oeuvre-Katalog, mit einer vergleichbar großen Zahl hochgestellter Auftraggeber und Projektpartner und einer so langen Reihe prestigeträchtiger Werkrealisationen aufwarten können. Dennoch ist der seinerzeit erfolgreichste Bildhauer Deutschlands heute eine nahezu unbekannte Größe, sein vielgestaltiges Wirken und sein monumentales Werk sind fast vollständig vergessen.Prominente Proben von Wrbas Kunst finden sich in Sachsen z. B. am Dresdner Zwinger und im sogenannten Dom zu Wurzen, wo Wrba auch ein weitläufiges Kriegerdenkmal schuf, sowie am Leipziger Neuen Rathaus. In zahlreichen öffentlichen Sammlungen ist er mit Kleinplastiken präsent (z. B. „Diana auf der Hirschkuh“,„Europa auf dem Stier“). Um die Analyse des für Wrba typischen modernen Konservativismus bzw. konservativen Modernismus und um die Bestimmung seines Ranges in der Geschichte der Bildnerei im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts sowie– im Schwerpunkt – um die beispiellose,heute vielfach kritisch beurteilte Ausstattung des sogenannten Wurzener Domskreisen die Untersuchungen, die, auf archivarische Studien gestützt, die Forschungauf eine neue Basis stellen. Einen Impuls zum besseren Verständnis der Bildnerei im deutschen Kaiserreich und in der Weimarer Republik und zu liefern, ist das Anliegen des Bandes.
Hervorgegangen aus einer interdisziplinären Tagung der Universität Leipzig und der ersten dem Bildhauer Georg Wrba (1872-1939) gewidmeten Werkschau in Wurzen, versammelt der vorliegende Band wissenschaftliche Beiträge renommierter Experten, die sich von verschiedenen Seiten dem „Phänomen Wrba“ annähern.
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