Rezension der Leipziger Volkszeitung (LVZ) zum Roman von Susanne Schädlich "Nirgendwoher, irgendwohin"

Von Janina Fleischer, 18. Januar 2008

Nirgendwo ist überall

Die Fremdheit ist ein Lebensthema. Sie hat keinen Anfang und kein Ende, sie sucht sich immer neue Orte. Autorin Susanne Schädlich nimmt sie als Ausgangspunkt ihres Buchs "Nirgendwoher, irgendwohin". 1977 war sie mit den Eltern aus der DDR in den Westen gezogen. 1988 weiter nach Los Angeles, fand 1999 in Berlin ein Zuhause. Den Verweis auf ihren Vater, den Schriftsteller Hans Joachim Schädlich empfinde sie als Schublade, sagt sie in einem Interview. Im Klappentext mag der Verlag dennoch nicht darauf verzichten.

"Nirgendwoher, irgendwohin" ist Susanne Schädlichs literarisches Debüt, und es ist besonders - vor allem in der Erzählweise einer kunstvoll gefügten Reflexion, in die sich Stimmen mischen.

Die Heldin Ljuba, deren slawischer Vorname auch Liebe bedeutet, versucht in ihrer neuen Heimat anzukommen, einer fremden Stadt in einem fremden Land mit fremden Sprachen. Die kleinen Schritte der Annäherung führen durch Straßen, Stimmungen, auch mal ein Bett. Allein mit den Menschen ist es komplizierter an diesem anonymen, lärmenden Ort, mit dem Los Angeles gemeint sein könnte. "Es ist die schnellste langsamste Stadt der Welt."
"Komm erst einmal an." Diese freundlich gemeinten Begrüßungsfloskeln birgt eine große Herausforderung. Für Ljuba eine Unmöglichkeit. Als Immigrantin lernt sie vor allem Immigranten kennen, bewegt sich auf beklemmendem Terrain zwischen dem Häuschen (Zwei Zimmer, Küche, Bad), in dem sie wohnt, dem Restaurant, indem sie serviert, der Bar, in der sie trinkt, und dem Mann, nach dem sie sucht. Ihre Bekannten heißen L., E., N oder A. Sie streuen Lebensweisheiten. Ein S. kommentiert aus dem Hintergrund. In eher depressivem als melancholischem Ton - gelähmt von der Vergeblichkeit, heimisch zu werden in selbstsüchtiger Umgebung - vermisst Luba auch die Vertrautheit mit sich selbst. Viel mehr erfahren die Leser nicht, sie können sich nur einlassen auf Spaziergänge durch Einsamkeit. "Gehen ist zum Sehen da." Dennoch bleibt alles sehr fremd.