Menschen, deren Körper den Tanz nie vergessen hat

Rezension im plusz-magazin zum Film "Zeit - tanzen seit 1927" dazu im Plöttner-Verlag das Buch "Tanz mit der Zeit" von Marion Appelt erschien.

Ursula Cain ist 80 Jahre alt. Sie ist klein, drahtig, ihr Rücken nicht mehr ganz gerade, der Kopf dadurch ein wenig nach vorne gebeugt. Ihr Haar ist lang, aber nicht mehr ganz voll. Und doch, kein Zweifel: Ursula Cain ist wunderschön. Wenn die gebürtige Dresdnerin tanzt, strafft sich ihr Körper, strecken sich ihre Arme mit Spannung, Eleganz, mit großer Kraft.

Ursula Cain war von 1952 bis 1964 Solotänzerin an der Oper Leipzig, bis sie einen Bühnenunfall hatte und den Beruf aufgeben musste, nur noch als Tanzlehrerin arbeiten konnte. 42 Jahre nach ihrem letzen Auftritt an der Leipzger Oper tanzte Ursula Cain wieder eine Premiere. Im Stück "Zeit - tanzen seit 1927" der Choreografin Heike Henning steht sie mit den Tänzern Christa Franze (geboren 1927 in Zittau), Siegfried Prölß (geboren 1934 in Dresden) und Horst Dittmann (geboren 1943 in Breslau) gemeinsam auf der Bühne. Sie tanzen ihr Leben, ihre Karriere als Tänzer, ihr Dasein als Rentner. Wenn Ursula Cain in der Erinnerung ihren gestorbenen Mann wieder sieht und spürt, dann sieht man nicht ihr Alter, nur die Kraft, die sie durch ihre Erfahrung, ihren Lebensweg gewonnen hat. Der Neuseeländer Trevor Peters hat die Aufführung für den Film "Tanz mit der Teit" mit der Kamera begleitet und die vier aus ihrem Leben erzählen lassen. Menschen, deren Körper den Tanz nie vergessen hat. Beeindruckend. Das Buch zum Film erschien im Leipiger Plöttner Verlag.


(Valeria Heintges, Sächsische Zeitung (plusz-magazin) 27.3.-3.4.2008)