Rezension in der LVZ (Boul.e.vard) zum Roman "Die Nachhut" von Hans Waal
Da nützt das beste Pseudonym nichts, wenn man auf dem Bucheinband sein Foto veröffentlicht... und so konnte Autor Hans Waal (aktuell am Start mit Die Nachhut) mühelos als Holger Witzel enttarnt werden. Der Leipziger hat es journalistisch zu etwas gebracht: Geformt in Hamburg an der Henri-Nannen-Journalistenschule, schreib er seit elf Jahren als Redakteur fürs Magazin Stern. Der besonnene 39-Jährige wohnt mit Frau und zwei Söhnen in der Südvorstadt, wird immer dann in die Spur geschickt, wenn es Rechtsradikale, Ausländerfeindlichkeiten oder Ossi-Befindlichkeiten zu ergründen gilt. Da muss er sich natürlich an öde Fakten halten, auf Textlängen achten und kann seine Stärke, die glanzvoll freigelegte Situationskomik, nicht so ausspielen. Ganz anders in seinem Buch, geschrieben in fünfjähriger Kleinarbeit vor allem nachts, im Urlaub oder anstatt Fernsehen. "Das ist mal eine lustige Nazigeschichte, eine Parodie auf die ganzen Nazi-Themen, die ich auch mal brauchte. Da konnte ich spinnen, mir jeden Quatsch ausdenken", so Witzel. Nur sovoiel: Er lässt vier alte Männer der Waffen-SS, die 60 Jahre in einem Bunker verbrachten, aus ihrem Versteck steigen und gen Reichshauptstadt marschieren. Eine Story, skurril und spannend, witzig und berührend. Mit dem Pseudonym Hans Waal will der Autor Journalismus und Schriftstellerei sauber trennen.
Kristin Decker, LVZ 19/20. April 2008