Der Plöttner Verlag Leipzig will die Kunsttrends im mitteldeutschen Raum aufspüren
Welches Buch aus Ihrem Haus sollte man in diesem Jahr lesen?
Das ist der Debütroman "Schwarz wie eine Mamba" von Celia Isabel Gaissert. Die Hamburger Autorin erzählt von einem Professor, der sich nach mehr als fünf Jahrzehnten entschließt, seinen einstigen Vorgesetzten in der Waffen-SS als Mörder anzuzeigen. Sein eigenes Bekenntnis, zur SS gehört zu haben, führt in seinem Umfeld zu erheblichen Irritationen. Die Autorin, Rechtsanwältin und Kunstwissenschaftlerin, hat für diesen Roman viele Gespräche mit Zeitzeugen geführt. Er ist zur Leipziger Buchmesse im März erschienen.
Was war Ihr bisher größter verlegerischer Erfolg?
André Hilles außergewöhnlicher Reisebericht "Erzähl mir vom Land der Birken". Als Stipendiat der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen arbeitete der Autor zwei Monate land im Gerhart-Hauptmann-Haus in Jagniatków, Agnetendorf. In knapp vierzig Episoden erzählt er vom Alltag in Schlesien. Sein Blick auf den Nachbarn ist mal poetisch, mal ironisch. Die erste Auflage von 500 Exemplaren ist so gut wie verkauft.
Der größte Flop?
Von dem Kinderbuch "Ulrike" bekam die Autorin zehn Freiexemplare - verkauft haben wir nicht eines. Vielleicht lag es am Untertitel "Märchentheaterspiel", vielleicht am bescheidenen Cover... Man fängt irgendwo an und lernt erst allmählich, was auf dem Markt läuft und was nicht.
Wie schaffen Sie es, Ihre Bücher auf dem überfüllten Markt zu platzieren?
Unsere Chance ist, dass wir nicht nur Bücher verlegen, sondern auch das Kulturmagazin "Kunststoff". Es erscheint alle drei Monate und berichtet von Literatur, Theater und bildender Kunst in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Der Verlag hilft dieser Zeitschrift nach oben, die Zeitschrift hilft dem Verlag nach oben, es gibt eine Wechselwirkung.
Orientieren Sie sich an dem einstigen Kulturraum Mitteldeutschland?
Wir wollen nicht auf alte Pferde setzen, sondern die neuen Kunsttrends in der Region aufspüren. Wir veröffentlichen Rezensionen und Interviews, wollen aber vor allem den kultur-politischen Diskurs innerhalb der Theater oder Museen widerspiegeln und weiterführen.
Karin Grossmann, Sächsische Zeitung 12. MAI 2007